Grundsätze der Naturpädagogik
Naturkindergärten und konventionelle Kindergärten bilden keinen Gegensatz. In der einen wie in der anderen Form eines Kindergartens können die Kinder spielen und toben, singen und tanzen; sie basteln, erfahren Gemeinschaft und lernen gemeinsam.
Was einen Naturkindergarten aber von einem konventionellen unterscheidet, ist, dass er nicht in einem Haus untergebracht ist, sondern für ihn ein Platz in der Natur gesucht wird. Den Naturkindergarten engen also nicht Türen und Wände ein; vielmehr findet er draußen und bei Wind und Wetter in der freien Natur statt.
Naturräume, die von einem Naturkindergarten genutzt werden, können der Strand am Meer oder eine Heidelandschaft sein; vorzugsweise ist es aber der Wald, an und in dem ein Naturkindergarten angesiedelt wird. Er bietet den Kindern die Möglichkeit, ihren Drang nach Bewegung auszuleben und Natur und Natürlichkeit zu erfahren. Die Vielfalt natürlicher Erscheinungsformen im Wald schult die Sinne der Kinder und sensibilisiert sie für unsere Umwelt. Interesse und Neugier werden durch das Spielen im Wald gefördert. Spielen ohne vorgefertigtes Spielzeug regt die Kreativität und Phantasie der Kinder an, weil sie sich ihr eigenes Spielzeug erst schaffen müssen.
Vor allem aber ermöglicht ein Naturkindergarten den Kindern, die Natur unmittelbar zu erfahren und nicht vermittelt durch Medien wie das Fernsehen oder das Internet. Die direkte Begegnung schafft die Voraussetzung für Erfahrungen aus erster statt aus zweiter Hand. Nicht zuletzt bilden Wald und Natur ein Gegengewicht zu unserer oft von Eile und Unruhe geprägten Gegenwart.
Pädagogisches Konzept
Ziele pädagogischer Arbeit
Der Naturkindergarten stellt konzeptionell eine Erweiterung der allgemeinen Kindergartenpädagogik dar. Die Erziehungsziele des konventionellen Kindergartens bleiben auch für den Naturkindergarten bestehen, werden aber in einer anderen Form angestrebt. Dabei lässt sich eine ganzheitliche Erziehung und ganzheitliches Lernen, also ein Lernen mit allen Sinnen in einem Naturkindergarten besonders gut gestalten. Ab dem Jahr 2009/10 richtet sich die Arbeit auch des Naturkindergartens am vom Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg erarbeiteten Orientierungsplan für Bildung und Erziehung aus.
Der Naturkindergarten bietet viele Vorteile; in ihm können die Kinder
- die Natur in unmittelbarer Weise erleben, Pflanzen und Tiere beobachten und ökologische Zusammenhänge erkennen
- lernen, den Wert der Natur zu erkennen, die Schöpfung zu achten und verantwortungsvoll mit ihr umzugehen
- den Wechsel der Jahreszeiten, ihre Eigenarten sowie ihre Auswirkungen auf die Umwelt spüren und kennen lernen. Sie fühlen den Rhythmus der Natur als strukturierendes Element des Lebens
- ihre Sinne schulen, in Ruhe verweilen und Stille erleben
- den Bewegungsdrang ausleben und die Grenzen ihrer körperlichen Möglichkeiten erfahren
- Kreativität und Phantasie erproben im Umgang mit Materialien, welche die Natur bietet, aber auch mit anderen Bastelmaterialien, Bücher, etc.
- ihre sprachliche Kompetenz fördern, indem sie beim Spiel in der Natur auf viel Kommunikation angewiesen sind
- erfahren, für einander verantwortlich zu sein, einander zu helfen und zu unterstützen
- ihrem Körper Gutes tun, indem sie sich an der frischen Luft bewegen und ihr Immunsystem auf diese Weise stärken
Integration von Kindern mit besonderem Betreuungsbedarf
In den Naturkindergarten lassen sich auch Kinder mit besonderem Betreuungsbedarf integrieren: Kinder, die motorische Probleme haben oder Sprachauffälligkeiten aufweisen, oder Kinder mit Down-Syndrom etc. Gerade dadurch, dass die Kinder in der Natur aufeinander angewiesen sind, lernen sie viel von der Eigenart eines jeden. Sie lernen zu helfen und Hilfe anzunehmen, füreinander da zu sein und den anderen so anzunehmen, wie er ist: mit allen Stärken und Schwächen.
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